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Ein Kaltwasseraquarium ist schlicht ein Aquarium ohne Heizstab, besetzt mit Fischen, die bei Zimmertemperatur gut leben: ungefähr 16 bis 22 °C. Das ist eine gute Wahl, wenn man Strom sparen will oder einen kühlen Raum hat, aber es hängt ein schädlicher Mythos daran: Kaltwasser sei „einfacher“ und ein Goldfisch könne im Glas leben. Beim Goldfisch ist das Gegenteil der Fall: Er gehört zu den größten und schmutzigsten Fischen, die an Einsteiger verkauft werden. Dieser Ratgeber stellt die gängigsten Kaltwasserarten vor, zeigt, wie viel Platz sie brauchen, welcher Filter passt und welche Pflanzen ihr Zupfen überstehen.
Kurz gesagt: „Kaltwasser“ heißt ohne Heizung, nicht ohne Pflege. Das Becken muss eingefahren, gut gefiltert und wöchentlich mit Wasserwechseln versorgt sein. Für ein Paar Schleierschwanz-Goldfische rechne mit 100-150 Litern; für Gruppen von Kardinalfischen oder Medakas reichen 40-60 Liter.
Kaltwasserarten und ihr Platzbedarf
Kaltwasserfisch ist nicht gleich Kaltwasserfisch. Der Goldfisch ist groß und produziert viel Abfall; die anderen sind klein und passen viel besser in mittelgroße Becken.
| Art | Endgröße | Temperatur | Becken (Richtwert) | Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Goldfisch und Komet | 20-30 cm | 10-24 °C | Teich oder über 300 Liter | Schneller Schwimmer; wächst aus jedem normalen Aquarium heraus |
| Zuchtformen (Oranda, Löwenkopf, Teleskop) | 15-20 cm | 18-23 °C | 100-150 Liter für zwei, je weiteren Fisch 40-50 Liter mehr | Langsam, verträgt keine starke Strömung |
| Kardinalfisch (Tanichthys) | 4 cm | 16-22 °C | 60 Liter für eine Gruppe von 8-10 | Friedlicher Schwarmfisch, sehr robust |
| Medaka (Reiskärpfling) | 3-4 cm | 16-26 °C | 40-60 Liter für eine Gruppe | Anpassungsfähig, vermehrt sich leicht |
| Makropode (Paradiesfisch) | 8-10 cm | 16-26 °C | 60 Liter, nur ein Männchen | Labyrinthfisch, Männchen bekämpfen sich |
Wie viele Fische je nach Endgröße und Filterleistung passen, erklärt unser Ratgeber Wie viele Fische ins Aquarium.
Goldfische brauchen Platz, kein Glas
Ein Goldfisch kann 10-15 Jahre oder älter werden; verkauft wird er mit 4-5 cm, ausgewachsen erreicht er leicht 20 cm. Er frisst viel, wühlt im Bodengrund und produziert große Mengen Ammoniak. In einem Goldfischglas mit wenigen Litern wird das Wasser binnen Stunden giftig, ein wirksamer Filter hat keinen Platz, und der Fisch verkümmert und lebt deutlich kürzer.
- Zuchtformen wie der Oranda: runder Körper, langsamer Schwimmer, am besten fürs Aquarium geeignet. Sie brauchen mäßige Strömung und einen Bodengrund ohne scharfkantige Steine.
- Goldfisch und Komet: gestreckter Körper und viel Tempo. Ideal ist ein Gartenteich; drinnen nur sehr große Becken.
- Nicht mischen: schnelle Formen schnappen den langsamen Zuchtformen das ganze Futter weg.
- Mitbewohner: am besten nur Goldfische. Sie fressen jeden kleinen Fisch, der ins Maul passt, und tropische Fische brauchen eine andere Temperatur.
Füttere spezielles Goldfischfutter, am besten sinkende Granulate, damit sie keine Luft schlucken, und nur kleine Mengen: was in 2-3 Minuten gefressen wird. Ab und zu gibt es überbrühtes Gemüse (geschälte Erbsen, Zucchini).
Keine Gläser ohne Filter, weder für Goldfische noch für andere Fische. Und setze niemals einen Goldfisch, einen anderen Aquarienfisch oder eine Aquarienpflanze in Flüsse, Seen oder öffentliche Teiche aus: Goldfische sind invasiv, schädigen Ökosysteme, und das Aussetzen ist verboten. Wer einen Fisch nicht behalten kann, fragt im Zoofachhandel, in einem Aquarienverein oder bei Teichbesitzern nach.
Kardinalfisch, Medaka und Makropode
Kardinalfisch
Der Kardinalfisch (Tanichthys albonubes, auch Kardinälchen) ist vermutlich der beste Kaltwasserfisch für ein mittelgroßes Becken. Er wird etwa 4 cm groß, lebt in Gruppen ab 6-8 Tieren und zeigt seine schönsten Farben in kühlem Wasser unter 22 °C. Er ist friedlich, frisst fast alles und lässt sich mit Medakas oder erwachsenen Neocaridina-Garnelen halten.
Medaka
Der Medaka oder Japanische Reiskärpfling ist klein, steckt Temperaturschwankungen gut weg und vermehrt sich leicht: Die Weibchen tragen die Eier einige Stunden mit sich, bevor sie sie an Pflanzen heften. Es gibt goldene, weiße und glänzend beschuppte Zuchtformen. Er mag sanfte Strömung und feinfiedrige Pflanzen.
Makropode
Der Makropode (Macropodus opercularis) ist ein Labyrinthfisch, der wie der Kampffisch Luft an der Oberfläche atmet, und fühlt sich in kühlem Wasser wohl. Er ist prächtig, aber revierbildend: nur ein Männchen pro Becken, mit Weibchen oder schnellen Fischen ähnlicher Größe. Nicht mit langflossigen Goldfischen oder sehr kleinen Fischen vergesellschaften.
Temperatur und Filterung
Die meisten dieser Arten leben ohne Heizstab bei 16 bis 22 °C. Das eigentliche Problem ist meist der Sommer: Über 25-26 °C enthält das Wasser weniger Sauerstoff, und Goldfische wie Kardinalfische leiden. Ein Ventilator, zusätzliche Belüftung und ein Standort fern vom Fenster helfen. Unser Ratgeber zur Aquarientemperatur erklärt, wie man sie ohne Sprünge senkt. Im Winter sind 15 °C im Raum für Goldfische kein Problem, für jeden tropischen Fisch, den man dazusetzen möchte, aber schon.
Die Filterung sollte großzügig sein. Für Goldfische empfiehlt sich ein Durchsatz vom 5- bis 10-Fachen des Beckenvolumens pro Stunde, mit Auslass zur Oberfläche oder Düsenrohr für Sauerstoff, ohne aber eine Strömung zu erzeugen, die Zuchtformen herumwirbelt. Ein Außenfilter ist ab 100 Litern die bequemste Lösung, weil er viel biologisches Filtermaterial fasst und seltener gereinigt werden muss. Für Kardinalfische und Medakas genügt ein Innen- oder Rucksackfilter mit normaler Leistung (3- bis 5-faches Volumen pro Stunde).
- Wasserwechsel: 20-30 % pro Woche; in dicht besetzten Goldfischbecken bis 40-50 %.
- Bodengrund: feiner Sand oder große Flusskiesel. Mittelgroßer Kies kann sich im Maul von Goldfischen verkeilen.
- Abdeckung: Pflicht bei Makropoden und Kardinalfischen, die springen.
Pflanzen, die Goldfische überstehen
Goldfische reißen fast alles aus und zupfen daran. Am besten halten Pflanzen mit harten oder bitteren Blättern, die auf Steinen oder Wurzeln befestigt statt in den Boden gesetzt werden.
| Pflanze | Goldfischfestigkeit | Platzierung |
|---|---|---|
| Anubias | Sehr hoch: ledrige Blätter | Auf Stein oder Wurzel gebunden, Rhizom nicht eingraben |
| Javafarn | Sehr hoch: schmeckt ihnen nicht | An Deko befestigt |
| Cryptocoryne wendtii | Mittel bis hoch | Eingepflanzt, mit Steinen um die Basis |
| Vallisnerien | Mittel: wachsen schnell genug nach | Im Bodengrund |
| Hornkraut | Mittel: wird gefressen, wächst aber sehr schnell | Schwimmend |
Mit Kardinalfischen, Medakas und Makropoden ist die Auswahl viel größer: Moose, Stängelpflanzen und Schwimmpflanzen gedeihen problemlos bei Zimmertemperatur.
Typische Fehler
- Einen Goldfisch ins Glas oder in ein 20-30-Liter-Becken setzen, „weil er ja klein ist“.
- Glauben, Kaltwasser brauche keinen Filter und kein Einfahren.
- Goldfische mit tropischen oder kleinen Fischen mischen.
- Zwei Makropoden-Männchen zusammen halten.
- Goldfische überfüttern, weil sie „immer betteln“.
- Sommerhitze und Sauerstoffmangel vergessen.
- Zu groß gewordene Fische in der Natur aussetzen.
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Häufige Fragen
Wie viele Liter braucht ein Goldfisch?
Für ein Paar Zuchtform-Goldfische wie Oranda oder Löwenkopf sind 100 bis 150 Liter ein vernünftiger Start, plus etwa 40 bis 50 Liter für jeden weiteren Fisch. Goldfisch und Komet werden so groß, dass ein Teich oder ein Becken über 300 Liter ideal ist.
Kann ein Goldfisch im Glas leben?
Nein. In einem Glas ohne Filter sammelt sich Ammoniak binnen Stunden an, Sauerstoff wird knapp, der Fisch lebt gestresst, wächst schlecht und stirbt viel zu früh. Gut gepflegt kann ein Goldfisch in einem großen, gefilterten Becken über zehn Jahre alt werden.
Brauchen Kaltwasserfische einen Heizstab?
In der Regel nicht: Goldfische, Kardinalfische, Medakas und Makropoden leben gut bei Zimmertemperatur zwischen 16 und 22 Grad. Kritischer ist der Sommer: Über 25 oder 26 Grad sollte man das Becken belüften und die Sauerstoffzufuhr erhöhen.
Kann man Goldfische mit tropischen Fischen halten?
Keine gute Idee. Tropische Fische brauchen 24 bis 27 Grad, Goldfische mögen es kühler, produzieren viel Abfall und fressen kleine Fische. Halte jede Gruppe in einem eigenen Becken.
Welche Kaltwasserfische passen in 60 Liter?
Eine Gruppe von 8 bis 10 Kardinalfischen, eine Gruppe Medakas oder ein Makropoden-Männchen mit einigen Weibchen sind gute Optionen. Ein Goldfisch passt nicht in 60 Liter.
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