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Guppys zu vermehren ist so einfach, dass die eigentliche Frage nicht lautet, wie es klappt, sondern wie man es im Griff behält. Guppys sind wie Platys, Mollys und Schwertträger Lebendgebärende: Das Weibchen legt keine Eier, sondern bringt fertig entwickelte Jungfische zur Welt, die von der ersten Minute an schwimmen und fressen. In einem eingefahrenen Aquarium mit stabilem Wasser und etwas dichter Bepflanzung bekommst du Nachwuchs fast von selbst. Dieser Ratgeber zeigt, wie du die Zuchtgruppe zusammenstellst, ein hochträchtiges Weibchen erkennst, die Jungfische schützt und fütterst und vor allem, was du tust, wenn es zu viele werden.
Das Wichtigste: 1 Männchen auf 2-3 Weibchen, 24-27 °C in einem eingefahrenen Becken, viel Moos oder Schwimmpflanzen als Versteck und mehrmals täglich Staubfutter für den Nachwuchs. Jedes Weibchen kann etwa alle 4 Wochen werfen, also überlege von Anfang an, wohin die Jungfische sollen.
Die Zuchtgruppe: Verhältnis und Becken
Guppy-Männchen treiben die Weibchen fast ununterbrochen. Sind gleich viele oder mehr Männchen als Weibchen im Becken, stehen die Weibchen unter Dauerstress, fressen schlechter und können erkranken oder verlieren ihre Brut. Empfohlen wird ein Verhältnis von 1 Männchen zu 2 oder 3 Weibchen, damit sich das Treiben verteilt. Wer nur die farbigen Männchen möchte, hält eine reine Männchengruppe: Das funktioniert gut und es gibt keinen Nachwuchs.
Für eine entspannte Zucht eignet sich ein Aquarium ab 54-60 Litern mit sanfter Filterung (ein Schwammfilter ist ideal, weil er keine Jungfische ansaugt), Heizer und vielen Pflanzen. Guppys mögen mittelhartes bis hartes Wasser mit einem pH-Wert von 7 bis 8. Nach einer Paarung speichern die Weibchen Spermien und können mehrere Würfe ohne erneute Paarung bekommen: Ein im Zoofachhandel gekauftes Weibchen ist fast immer schon trächtig.
| Merkmal | Richtwert |
|---|---|
| Verhältnis | 1 Männchen : 2-3 Weibchen |
| Temperatur | 24-27 °C (wärmer beschleunigt die Tragzeit, verkürzt aber das Leben) |
| Tragzeit | 21-30 Tage, im Schnitt etwa 28 |
| Jungfische pro Wurf | 5-20 bei jungen Weibchen; 20-60 bei großen ausgewachsenen |
| Geschlechtsreife | 2-3 Monate |
| Geschlecht erkennbar | Ab 4-6 Wochen (die Afterflosse des Männchens wird zum Gonopodium) |
Tragzeit und Anzeichen der Geburt
Die Tragzeit beträgt bei 25 °C etwa 28 Tage, in wärmerem Wasser etwas weniger, in kühlerem deutlich mehr. Das bekannteste Zeichen ist der Trächtigkeitsfleck, eine dunkle Stelle am Bauch direkt vor der Afterflosse, die von Tag zu Tag größer und dunkler wird. Bei hellen Guppys sieht man manchmal sogar die Augen der Jungfische durch die Haut.
In den letzten Tagen wirkt der Bauch von der Seite kantig, das Weibchen sondert sich ab, sucht ruhige, bepflanzte Ecken oder die Nähe des Heizers, frisst eventuell nicht mehr und atmet etwas schneller. Die Geburt dauert eine bis mehrere Stunden; die Jungen kommen einzeln, eingerollt, und strecken sich nach wenigen Sekunden. Erwachsene Fische, auch die Mutter, fressen Jungfische, die sie finden. Das ist normales Verhalten, keine Grausamkeit.
Ablaichkasten oder Verstecke: Ablaichkästen aus Kunststoff, die an der Scheibe hängen, wirken praktisch, aber ein trächtiges Weibchen tagelang einzusperren setzt es unter Stress, und der kann Frühgeburten, tote Jungfische oder sogar den Tod des Weibchens auslösen. Wenn du einen verwendest, setze das Weibchen erst kurz vor der Geburt hinein und nimm es direkt danach wieder heraus. Für die meisten Aquarianer bringt eine dicht bepflanzte Ecke bessere Ergebnisse.
So schützt du die Jungfische
Es gibt drei Wege, vom natürlichsten zum kontrolliertesten:
- Dichte Bepflanzung im Hauptbecken: ein ordentliches Polster Javamoos, dicht gesetzte Stängelpflanzen und Schwimmpflanzen wie Hornfarn (Ceratopteris) bieten Verstecke. Ein Teil jedes Wurfs überlebt, und genau das begrenzt die Population auf natürliche Weise.
- Ablaichkasten oder Netz: sinnvoll während der Geburt oder um Neugeborene ein paar Tage zu trennen. Feinmaschige Netze stressen weniger als geschlossene Kästen, weil das Wasser durchströmt.
- Separates Aufzuchtbecken: ein eingefahrenes Becken mit 20-40 Litern, Heizer und Schwammfilter, in dem die Jungen wachsen, bis sie nicht mehr ins Maul der Erwachsenen passen. Das ist der effektivste Weg, wenn du ernsthaft züchten oder auf Farben selektieren willst.
Mit etwa 1,5-2 cm, meist nach 4-6 Wochen, können die Jungfische zu den Erwachsenen zurück. Ist das Aufzuchtbecken nicht eingefahren, verlierst du sie an Ammoniak, noch bevor Fressfeinde eine Chance haben.
Fütterung und Wachstum der Jungfische
Guppy-Jungfische können vom ersten Tag an feines Futter fressen. Entscheidend ist wenig, aber oft: 3 bis 5 Fütterungen täglich in den ersten Wochen, Reste absaugen, damit das Wasser sauber bleibt.
| Alter | Futter | Fütterungen pro Tag |
|---|---|---|
| 0-2 Wochen | Staubfutter für Jungfische, zwischen den Fingern zerriebenes Flockenfutter, Artemia-Nauplien, Mikrowürmchen | 3-5 |
| 2-6 Wochen | Feine Flocken, Mikrogranulat, Artemia | 3-4 |
| Ab 6 Wochen | Erwachsenenfutter in kleiner Körnung | 2 |
Bei stabilen 25-26 °C, wöchentlichem Wasserwechsel von 20-30 % und gutem Futter wachsen die Jungen schnell: Mit 4-6 Wochen erkennt man die Männchen, die Farbe bekommen und das Gonopodium ausbilden. Wenn du ungewollte Kreuzungen oder Geschwisterverpaarungen vermeiden willst, trenne Männchen und Weibchen zu diesem Zeitpunkt, denn mit 2-3 Monaten sind sie geschlechtsreif.
Wohin mit überzähligen Guppys?
Ein einziges Weibchen kann in einem Jahr Hunderte Nachkommen haben. Früher oder später hast du mehr Guppys, als dein Aquarium verträgt, und Überbesatz verschlechtert die Wasserqualität für alle (siehe wie viele Fische ins Aquarium passen). Verantwortungsvolle Lösungen:
- Zoofachhandel: Viele Händler nehmen gesunde Guppys gegen Gutschrift oder kostenlos ab, vor allem aus guten Linien.
- Andere Aquarianer: Vereine, Foren, lokale Gruppen und Fischbörsen.
- Vermehrung begrenzen: nur Männchen halten oder Pflanzen und Mitbewohner das Überleben der Jungfische regeln lassen.
Setze sie niemals in Bäche, Seen, Brunnen oder öffentliche Teiche aus. Der Guppy ist in vielen warmen Regionen invasiv, konkurriert mit heimischen Fischen und kann Krankheiten übertragen. Das Aussetzen gebietsfremder Tiere ist in Deutschland und in der gesamten EU zudem verboten. Wenn du keine Abnehmer findest, ist die Lösung, die Zucht zu bremsen, nicht die Fische freizulassen.
Typische Fehler bei der Guppyzucht
- Mehr Männchen als Weibchen halten, was die Weibchen erschöpft.
- Das Weibchen „zur Sicherheit“ tagelang im Ablaichkasten lassen.
- Ein nicht eingefahrenes Aufzuchtbecken genau dann aufstellen, wenn die Jungen geboren werden.
- Jungfische mit Erwachsenenportionen füttern und das Wasser belasten (siehe wie viel man Fische füttert).
- Guppys und Endler zusammen halten, wenn du reine Linien willst: Sie kreuzen sich.
- Erst über den Verbleib der Jungen nachdenken, wenn das Becken schon überbesetzt ist.
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Häufige Fragen
Wie lange sind Guppys trächtig?
Zwischen 21 und 30 Tagen, bei 25 Grad im Schnitt etwa 28. Wärmeres Wasser verkürzt die Tragzeit, kühleres verlängert sie. Nach der Geburt kann das Weibchen dank gespeicherter Spermien etwa 4 Wochen später erneut werfen.
Woran erkenne ich, dass mein Guppy bald wirft?
Der Trächtigkeitsfleck vor der Afterflosse ist groß und dunkel, der Bauch wirkt von der Seite kantig, das Weibchen versteckt sich, steht allein am Boden oder beim Heizer und frisst eventuell nicht mehr. Die Geburt folgt meist innerhalb von ein bis zwei Tagen.
Ist ein Ablaichkasten besser als ein bepflanztes Becken?
Für die meisten Aquarianer ist ein Becken mit viel Moos und Schwimmpflanzen besser, weil es das Weibchen nicht stresst. Ein Ablaichkasten ist nur für wenige Stunden rund um die Geburt sinnvoll, und das Weibchen sollte danach sofort wieder heraus.
Was fressen frisch geborene Guppy-Jungfische?
Staubfutter für Jungfische, sehr fein zerriebene Flocken, Artemia-Nauplien oder Mikrowürmchen, in kleinen Mengen 3 bis 5 Mal täglich. Ab etwa 6 Wochen fressen sie das gleiche Futter wie die Erwachsenen in kleinerer Körnung.
Darf ich überzählige Guppys in einen Teich oder Bach setzen?
Nein. Das ist verboten und schädlich: Guppys sind vielerorts invasiv und verdrängen heimische Arten. Biete sie dem Zoofachhandel oder anderen Aquarianern an und bremse, falls niemand sie will, die Vermehrung, indem du nur Männchen hältst oder mehr Verstecke schaffst, damit weniger Jungfische überleben.
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