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Ein Umzug gehört zu den heikelsten Momenten im Leben eines Aquariums. Weniger wegen der Fische, die bei sorgfältigem Vorgehen ein paar Stunden im Beutel gut verkraften, sondern wegen zweier Dinge, die oft vergessen werden: die Filterbakterien, die absterben, wenn sie austrocknen oder zu lange ohne Sauerstoff sind, und das Glas selbst, das reißen kann, wenn das Becken mit Gewicht bewegt wird. Dieser Ratgeber zeigt, wie du den Umzug planst, was in welchen Behälter gehört, wie du das Becken wieder aufbaust und worauf du in den zwei Wochen danach achten musst.
Das Wichtigste: 24 Stunden vorher nicht mehr füttern, Filtermaterial in Aquarienwasser aufbewahren, Fische in Beuteln oder Eimern mit Deckel transportieren, das Becken vollständig leeren, bevor du es bewegst, und am Ziel zuerst den Filter mit seinem alten Material starten. Danach ein bis zwei Wochen täglich Ammonium und Nitrit testen.
Den Umzug planen
Am besten ist das Aquarium das Letzte, was die alte Wohnung verlässt, und das Erste, was in der neuen aufgebaut wird. Dauert die Fahrt weniger als etwa 4-6 Stunden, können die Fische problemlos im Beutel reisen. Dauert sie einen Tag oder länger, etwa quer durch Deutschland mit Zwischenstopp, überlege, die Fische vorübergehend bei einem Zoofachhändler deines Vertrauens oder einem anderen Aquarianer unterzubringen und nur Technik und Filtermaterial mitzunehmen.
Ein paar Tage vorher besorgst du das Material: stabile Fischtransportbeutel und Gummiringe, saubere Eimer mit Deckel (die nie Putzmittel enthalten haben), eine Kühlbox oder Styroporbox gegen Temperaturverlust, Handtücher, einen Schlauch oder Mulmsauger und eine batteriebetriebene Luftpumpe. Mache 2-3 Tage vorher einen normalen Wasserwechsel und füttere in den 24-48 Stunden davor nicht, damit die Fische das Transportwasser weniger belasten.
| Wann | Was tun |
|---|---|
| 1 Woche vorher | Beutel, Eimer, Kühlbox, Batterie-Luftpumpe und Wasseraufbereiter besorgen; Standort festlegen und prüfen, ob Boden und Unterschrank das Gewicht tragen |
| 2-3 Tage vorher | Wasserwechsel von 20-30 % und leichte Reinigung |
| 24-48 Stunden vorher | Füttern einstellen |
| Umzugstag | Fische und Pflanzen in Beutel oder Eimer, Filtermaterial in Aquarienwasser, komplett leeren, abbauen und einladen |
| Bei Ankunft | Aufbauen, befüllen, Filter und Heizer starten, Fische eingewöhnen |
| 1-2 Wochen danach | Täglich Ammonium und Nitrit testen, sparsam füttern |
Filterbakterien erhalten
Die Bakterien, die dein Aquarium eingefahren halten, sitzen vor allem im Filtermaterial: Schwämme, Keramikröhrchen und Bio-Bälle. Bleiben sie am Leben, ist das Becken auch in der neuen Wohnung eingefahren, und du musst das Aquarium nicht neu einfahren. So gehst du vor:
- Nimm das Filtermaterial erst im letzten Moment heraus und lagere es untergetaucht in Wasser aus dem Aquarium, in einem Eimer mit Deckel oder direkt im geschlossenen, vollen Außenfilter.
- Spüle es nicht unter dem Wasserhahn und lass es nicht trocknen: Chlor und Trockenheit töten die Bakterien.
- Vergehen mehr als 8-12 Stunden, bis der Filter wieder laufen kann, hänge einen Ausströmerstein an einer Batterie-Luftpumpe in den Eimer, damit die Bakterien Sauerstoff bekommen.
- Am Ziel wird der Filter als Erstes in Betrieb genommen, mit seinem bisherigen Material.
Zur Sicherheit solltest du eine Flasche Filterbakterien bereithalten und beim Befüllen zugeben. Sie ersetzen eingefahrenes Material nicht, helfen aber, wenn ein Teil der Kolonie gelitten hat.
Fische, Pflanzen und Garnelen unterwegs
Fische reisen am besten in Transportbeuteln wie im Zoofachhandel: ein Drittel Aquarienwasser, zwei Drittel Luft, mit Gummiring verschlossen und bei mehreren Stunden doppelt verpackt. Bei vielen Fischen funktionieren auch Eimer mit Deckel und Batterie-Luftpumpe. Stelle Beutel und Eimer in eine Kühlbox oder Styroporbox, damit die Temperatur nicht absinkt, und nimm sie mit in den Innenraum des Autos, niemals in den heißen Kofferraum oder den Umzugswagen.
| Was | Wie transportieren |
|---|---|
| Kleine Fische | Beutel mit 1/3 Wasser und 2/3 Luft, wenige pro Beutel, in einer Isolierbox |
| Große oder stachelige Fische | Eimer mit Deckel und Batterie-Luftpumpe oder einzeln im Doppelbeutel |
| Garnelen und Schnecken | Beutel oder Glas mit Aquarienwasser und etwas Moos zum Festhalten |
| Pflanzen | Beutel oder Eimer mit etwas Aquarienwasser, nicht zusammengequetscht |
| Filtermaterial | In Aquarienwasser, mit Deckel; bei langer Fahrt belüftet |
| Bodengrund | Stabile Eimer, feucht, niemals im Becken |
Red-Cherry-Garnelen und andere Garnelen reagieren am empfindlichsten auf veränderte Wasserwerte: Gewöhne sie am Ziel mindestens eine Stunde lang per Tröpfchenmethode ein. Für die Fische gelten die Schritte aus dem Ratgeber Fische richtig eingewöhnen.
Becken leeren und tragen
Bewege ein Aquarium niemals mit Wasser oder Bodengrund darin, auch nicht ein paar Zentimeter. Wasser wiegt ein Kilo pro Liter und drückt beim Schwappen gegen die Scheiben; Silikonnähte und Glas sind für diese Kräfte nicht gebaut und können reißen oder sich lösen, manchmal erst Tage später. Ein „halb leeres“ 100-Liter-Becken wiegt immer noch über 50 Kilo.
Sind Fische, Pflanzen und Filtermaterial in Sicherheit, leere das Becken mit einem Schlauch. Nimm Deko, Wurzeln und Steine heraus und danach den Bodengrund mit einem Becher oder einer kleinen Schaufel. Kies oder Sand kannst du wiederverwenden: feucht im Eimer lagern und nicht gründlich waschen, denn auch dort leben Bakterien. Nährstoffreiche Soil-Bodengründe können beim Aufwühlen Ammonium abgeben, deshalb in den ersten Tagen genauer hinschauen.
Becken ab etwa 60 Litern tragen zwei Personen, immer am Boden und nie an der oberen Kante. In Decken wickeln und aufrecht und gut gesichert transportieren. Auch der Unterschrank reist leer; ist er aus Spanplatte, prüfe vor dem Wiederaufbau, ob er aufgequollen ist oder Schrauben locker sind.
Das Aquarium wieder aufbauen
- Stelle den Unterschrank an seinen endgültigen Platz, weg von Fenstern und Heizkörpern, und prüfe mit der Wasserwaage, ob er exakt waagerecht steht. Wackelt der alte, ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Aquarium-Unterschrank, der für das Gewicht ausgelegt ist.
- Becken (mit Unterlegmatte, falls vorgesehen), Bodengrund und Deko einsetzen.
- Mit Leitungswasser befüllen, das mit Wasseraufbereiter behandelt ist und ungefähr die Temperatur des Beutelwassers hat. Übrig gebliebenes Altwasser kannst du verwenden, nötig ist es nicht.
- Filter mit dem eingefahrenen Material einsetzen und so schnell wie möglich starten. Heizer anschließen und warten, bis das Wasser die gewohnte Temperatur erreicht.
- Pflanzen setzen, Fische eingewöhnen und das Licht am ersten Tag aus oder gedimmt lassen, damit sie zur Ruhe kommen.
Auf einen Mini-Nitritpeak achten
Auch wenn alles gut läuft, stirbt meist ein Teil der Bakterien ab, und das Becken durchläuft eine kleine Einfahrphase: einen leichten Anstieg von Ammonium oder Nitrit in den ersten Tagen. Teste ein bis zwei Wochen lang täglich. Steigt einer der Werte über 0,25 mg/l, wechsle 30 % des Wassers mit Wasseraufbereiter. Füttere sehr sparsam (in der ersten Woche jeden zweiten Tag), setze mindestens einen Monat lang keine neuen Fische ein und lass eine Luftpumpe, falls vorhanden, laufen, damit reichlich Sauerstoff da ist, während sich der Filter erholt.
Typische Fehler beim Aquariumumzug
- Das Becken mit „nur ein bisschen“ Wasser oder mit Bodengrund bewegen.
- Filtermaterial unter dem Wasserhahn spülen oder im Karton austrocknen lassen.
- Fischbeutel stundenlang im Kofferraum oder in der Sonne lassen.
- Die Fische direkt vor der Fahrt füttern.
- Das Becken mit kaltem, unbehandeltem Wasser füllen und die Fische sofort einsetzen.
- Zur „Einweihung“ der neuen Wohnung neue Fische kaufen, bevor klar ist, dass das Becken stabil läuft.
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Häufige Fragen
Wie lange können Fische im Beutel bleiben?
Mit wenigen Fischen pro Beutel, einem Drittel Wasser und zwei Dritteln Luft und ohne vorherige Fütterung halten die meisten kleinen Fische 4 bis 6 Stunden problemlos aus, mit reinem Sauerstoff wie im Zoofachhandel auch länger. Für Fahrten von einem Tag oder mehr sind Eimer mit Batterie-Luftpumpe besser.
Kann ich das Becken mit etwas Wasser bewegen, damit die Fische weniger Stress haben?
Nein. Schon wenig Wasser belastet mit seinem Gewicht und seiner Bewegung die Silikonnähte und das Glas, und das Becken kann Tage später reißen oder undicht werden. Die Fische reisen getrennt in Beuteln oder Eimern, das Becken wird komplett leer bewegt.
Muss ich das Aquarium nach dem Umzug neu einfahren?
Nein, wenn du das Filtermaterial in Aquarienwasser aufbewahrst und den Filter innerhalb weniger Stunden wieder startest. Ein kleiner Anstieg von Ammonium oder Nitrit ist trotzdem möglich: ein bis zwei Wochen täglich testen und sparsam füttern.
Soll ich das alte Aquarienwasser aufheben?
Das ist nicht nötig. Die Bakterien leben im Filter und im Bodengrund, nicht im Wasser. Es reicht, genug für die Fischbeutel und zum Bedecken des Filtermaterials aufzubewahren und das Becken in der neuen Wohnung mit aufbereitetem Leitungswasser zu füllen.
Was mache ich mit den Fischen, wenn der Umzug mehrere Tage dauert?
Am sichersten ist es, sie vorübergehend bei einem vertrauenswürdigen Zoofachhändler oder einem anderen Aquarianer unterzubringen und nur Technik und belüftetes Filtermaterial mitzunehmen. Sobald das Becken in der neuen Wohnung aufgebaut ist und stabil läuft, holst du sie ab und gewöhnst sie ein.
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